Was sagt das schweizerische Strafgesetzbuch über Wucher
Im **schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB)** ist der Tatbestand des **Wuchers** in **Art. 157 StGB** geregelt. Hier wird der Begriff ähnlich wie in anderen Rechtssystemen definiert, wobei der Fokus auf der Ausnutzung einer Notlage oder Schwäche einer Person liegt. Im Folgenden die Kernaussagen:
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### **Art. 157 StGB – Wucher**
1. **Tatbestand:**
Eine Person macht sich strafbar, wenn sie:
– **die Notlage, Unerfahrenheit oder Leichtsinn** einer anderen Person ausnutzt, um sich oder einem Dritten
– für eine Leistung eine **Gegenleistung** versprechen oder gewähren zu lassen, die in einem **auffälligen Missverhältnis** zur Leistung steht.
2. **Strafmaß:**
– Freiheitsstrafe bis zu **fünf Jahren** oder
– Geldstrafe.
3. **Schärfere Strafen bei gewerbsmäßigem Wucher:**
– Wird der Wucher gewerbsmäßig begangen, kann die Strafe auf
– Freiheitsstrafe von **einem Jahr bis zu zehn Jahren** erhöht werden.
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### **Wichtige Aspekte des Wuchers in der Schweiz:**
– **Auffälliges Missverhältnis:** Wie in anderen Rechtssystemen ist ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen Leistung und Gegenleistung entscheidend.
– **Ausnutzung einer Schwäche:** Es müssen spezifische Schwächezustände der betroffenen Person vorliegen, wie:
– Eine wirtschaftliche oder persönliche Notlage,
– Unerfahrenheit oder mangelndes Wissen,
– Leichtsinn oder andere Schwächen in der Entscheidungsfähigkeit.
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### **Zivilrechtlicher Bezug:**
– Wucherverträge können zivilrechtlich als **nichtig** erklärt werden, basierend auf den Regeln des Obligationenrechts (insbesondere Art. 20 OR: Verträge mit widerrechtlichem oder sittenwidrigem Inhalt).
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### **Beispiele für Wucher:**
1. **Kredite:** Ein Kreditgeber verlangt überhöhte Zinsen von einer finanziell hilflosen Person.
2. **Mieten:** Ein Vermieter erhebt exorbitante Mieten, weil es auf dem Wohnungsmarkt keine Alternativen gibt.
3. **Arbeitsverträge:** Ein Arbeitgeber nutzt die Notlage eines Arbeitssuchenden aus, um extrem schlechte Arbeitsbedingungen durchzusetzen.
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**Zusammenfassung:**
Der Wucher ist in der Schweiz ein strafbarer Tatbestand, der auf die Ausnutzung von Schwächelagen und ein auffälliges Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung abzielt. Neben strafrechtlichen Konsequenzen kann ein solcher Vertrag auch zivilrechtlich für unwirksam erklärt werden.
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